

1999 drehte er seinen ersten Kurzfilm, «Mignon à croquer». Seit 2002 steht Baier der Abteilung Film der Lausanner ECAL vor. Der Autodidakt trat in seinen Filmen meist als Erzähler, als autofiktionale Figur oder als sich selbst auf, was seinen Werken ihren unvergleichlichen Stil verlieh. Sein persönlicher Bezug prägte insbesondere seine frühen – schwulen – Filme. Alle drei für diese Hommage ausgewählten Filme «La Parade» (2002), «Garçon stupide» (2004) und «Comme des voleurs (à l’est)» (2006) funktionieren nach diesem Prinzip.
Der 2002 mit dem Pink-Apple-Publikumspreis ausgezeichnete Dokumentarfilm «La Parade» über die erste Gay Pride in Sion machte Baier national bekannt. Er trug mit dem Porträt über Marianne Bruchez aktiv zur Debatte um die Gleichberechtigung homosexueller Menschen in der Schweiz bei und schuf damit ein wichtiges Zeitdokument. In «Garçon stupide» wiederum nahm Baier ein soziokulturelles Phänomen auf, das heute selbstverständlich für jeden digital vernetzten Schwulen zu sein scheint: die Präsenz auf Dating-Plattformen und die Suche nach dem schnellen Sex im Netz. Baier porträtiert darin den jungen Loïc auf dem Weg zur Akzeptanz seiner selbst und ist damit auch heute noch aktueller denn je.
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Reprise Dokumentarfilm
Sie verlieh der ersten Gay Pride in Sion 2001 einen Namen und ein Gesicht: Marianne Bruchez. Als mutige Initiatorin und Koordinatorin des Projekts – gegen die Order des Bischofs und die Verweigerung der Stadt – stieg sie zu nationaler Bekanntheit auf. Sie bewies, dass auch in der Enge des Wallis Lesben und Schwule leben, die für ihre Rechte kämpfen. Lionel Baiers bewegender Dokumentarfilm proträtiert hautnah ihre Odyssee im Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung. Er hat das Bangen, die Rückschläge, aber auch die unbeschreibliche Euphorie festgehalten, die den 7. Juli 2001 zu einem geschichtsträchtigen Tag im Wallis werden liessen. Mariannes Engagement hat viel Staub aufgewirbelt, aber auch sehr viel Solidarität ausgelöst.
In Anschluss an den Film findet ein Gespräch in Anwesenheit von Lionel Baier, Marianne Bruchez und den diesjährigen Organisator/innen der Gay Pride Sion 2015 statt.
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