

1999 drehte er seinen ersten Kurzfilm, «Mignon à croquer». Seit 2002 steht Baier der Abteilung Film der Lausanner ECAL vor. Der Autodidakt trat in seinen Filmen meist als Erzähler, als autofiktionale Figur oder als sich selbst auf, was seinen Werken ihren unvergleichlichen Stil verlieh. Sein persönlicher Bezug prägte insbesondere seine frühen – schwulen – Filme. Alle drei für diese Hommage ausgewählten Filme «La Parade» (2002), «Garçon stupide» (2004) und «Comme des voleurs (à l’est)» (2006) funktionieren nach diesem Prinzip.
Der 2002 mit dem Pink-Apple-Publikumspreis ausgezeichnete Dokumentarfilm «La Parade» über die erste Gay Pride in Sion machte Baier national bekannt. Er trug mit dem Porträt über Marianne Bruchez aktiv zur Debatte um die Gleichberechtigung homosexueller Menschen in der Schweiz bei und schuf damit ein wichtiges Zeitdokument. In «Garçon stupide» wiederum nahm Baier ein soziokulturelles Phänomen auf, das heute selbstverständlich für jeden digital vernetzten Schwulen zu sein scheint: die Präsenz auf Dating-Plattformen und die Suche nach dem schnellen Sex im Netz. Baier porträtiert darin den jungen Loïc auf dem Weg zur Akzeptanz seiner selbst und ist damit auch heute noch aktueller denn je.
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Reprise Spielfilm
Lionel Baier fällt aus allen Wolken, als er erfährt, dass seine Familie ursprünglich aus Polen stammen soll. Er reist mit seiner Schwester überstürzt Richtung Osten, um sich auf familiäre Spurensuche zu machen, verlässt seinen Freund und experimentiert sexuell mit einer Polin. Lucie und Lionel, Bruder und Schwester, Kinder eines waadtländischen Pastors und vielleicht direkte Nachkommen einer polnischen Familie. Aber das ist keineswegs sicher. Sicher dagegen sind: die Verfolgungsjagd in der Slowakei, die stillgelegten Fabriken in Schlesien, das gestohlene Auto, die Scheinheirat und der Student aus Krakau, der Lionel den Kopf verdreht.…
Das skurrile und humorvolle Roadmovie besticht durch den autofiktionalen Zugang des Regisseurs: Geschickt kombiniert Baier Elemente seiner wirklichen Biografie mit erfundenen. Die grandiose Natacha Koutchoumov ist in der Rolle von Lionels Schwester Lucie zu sehen.